Schallschutztage 2017

Die Besucher der Schallschutztage 2017 konnten sich am 16. und 17. Juni über das Schallschutzprogramm BER informieren. Zahlreiche Experten, unter anderem von Baufirmen und vom Schallschutzteam der Flughafengesellschaft, gaben Tipps und Hinweise zur baulichen Umsetzung und standen für individuelle Fragen zur Verfügung. An beiden Tagen fanden Vorträge statt, in denen die Grundlagen und das Verfahren des Schallschutzprogramms erläutert wurden. Darüber hinaus wurde der neue Schalldämmlüfter vorgestellt.

Die häufigsten Fragen der Schallschutztage 2017 haben wir hier zusammengestellt.

Räume im Schallschutzprogramm

Welche Räume haben Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen?

Im Schallschutzprogramm BER haben Räume Anspruch auf Schallschutz, die zum Wohnen genutzt werden und bauordnungsrechtlich genehmigt sind. Ob Anspruch auf Tag- oder Nachtschutz besteht, darüber entscheidet die Nutzung der Räume sowie die Lage im Schallschutzgebiet. Grundsätzlich wird jeder Antrag durch die FBB geprüft.

BER-Flugrouten

Ich wohne in Dahlewitz knapp außerhalb der Schallschutzgebiete. Werden die Schutzgebiet dort noch erweitert?

Im Sommer 2016 kam es bereits zu einer Ergänzung der Anspruchsgebiete um Teile von Rotberg, Kiekebusch, Karlshof, Dahlewitz und Jühnsdorf.

Ein Jahr nach Inbetriebnahme des BER wird noch einmal eine Überprüfung der Schallschutzgebiete vorgenommen. Dies geschieht dann auf Grundlage der tatsächlich gemessenen Lärmbelastung und kann zu einer Veränderung der Schallschutzgebiete führen. Eine Überprüfung der Schallschutzgebiete wird zudem vorgenommen, wenn nach Inbetriebnahme des BER an irgendeiner auf der Schallschutzkontur liegenden Stelle eine Lärmbelastung nachgewiesen wird, die mehr als zwei Dezibel über der prognostizierten Lärmbelastung liegt.

Lüfter

Muss ich die Kosten des neuen Schalldämmlüfters selbst übernehmen? Wenn ja, wie hoch sind die Kosten?

Die Kosten für das Gerät samt Einbau übernimmt die FBB. Die laufenden Kosten sind durch den Anwohner selbst zu tragen.

Die Betriebskosten des Schalldämmlüfters sind natürlich abhängig davon, wie oft dieser genutzt wird. Bei der vorgesehenen Nutzung bei Nacht liegen die Stromkosten bei rund 10 Euro im Jahr, dies verdeutlicht folgende Beispielrechnung: Bei der Maximalleistung von 60 Kubikmeter, die für zwei Personen empfohlen wird, verbraucht der Schalldämmlüfter 13 Watt pro Stunde. Pro Nacht (acht Stunden) bedeutet das einen Stromverbrauch von 104 Watt bzw. 0,104 Kilowattstunden. Anhand der aktuellen Strompreise ergeben sich daraus Kosten von etwa 2,6 Cent pro Nacht bzw. rund 10 Euro im Jahr. Das Gerät kann aber auch in niedrigeren Stufen eingestellt werden, bei denen der Stromverbauch noch geringer ist. Hinzu kommen die Preise für den regelmäßigen Austausch der im Gerät verbauten hochwertigen Pollenfilter. Ein Satz Filter kosten rund 30 Euro, der Austausch ist gemäß Herstellerangaben einmal pro Jahr notwendig.

Mit Hilfe der neuen Schalldämmlüfter können aber auch Kosten eingespart werden, denn aufgrund der integrierten Wärmerückgewinnungsfunktion müssen die Räume weniger geheizt werden.

Möbel

Um den Schallschutz einbauen zu lassen, müsste ich Möbel beiseite räumen. Das schaffe ich alleine aber nicht. Wer kann mir dabei helfen?

Grundsätzlich haben alle Anwohner eine gewisse Mitwirkungspflicht bei der Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen. Dazu gehört auch für die nötige Baufreiheit zu sorgen und zum Beispiel Möbel zu verrücken oder Räume leerzuräumen.

Allerdings sind in bestimmten Situationen Abweichungen von dieser gängigen Praxis möglich. Zum Beispiel, wenn Eigentümer gesundheitlich oder altersbedingt beeinträchtigt sind oder der Umfang der notwendigen Vorbereitung überdurchschnittlich hoch ist. In diesen Fällen können die notwendigen Arbeiten auch durch die Baufirma übernommen werden.

Die FBB benötigt dann eine Erklärung des Eigentümers, weshalb er die nötige Baufreiheit nicht selbst herstellen kann. Zudem sollte die Baufirma noch vor Beginn der Bauarbeiten ein Nachtragsangebot bei dem zuständigen Ingenieurbüro einreichen, damit dieses rechtzeitig geprüft werden kann.

Module

Mein Antrag auf ein Modul wurde abgelehnt. Gibt es Voraussetzungen, um die Module nutzen zu können?

Ja, denn die Module können nicht in allen Fällen gewährt werden. Grundsätzlich sind Module für die Fälle gedacht, in denen der Eigentümer eine Anspruchsermittlung zur baulichen Umsetzung von Schallschutzmaßnahmen erhalten hat. Wurde eine Anspruchsermittlung Entschädigung versendet, können keine Module in Anspruch genommen werden.

Für die Module Küche, Raumhöhe und Wintergärten gilt zudem folgendes. Das Modul Küche kann bei Essküchen genutzt werden, für reine Kochküchen kann die FBB das Modul nicht anbieten. Das Modul Raumhöhe gilt für Räume ab einer Höhe von zwei Metern, da bei noch niedrigeren Räumen keine gesunden Lebensverhältnisse mehr gegeben sind. Das Modul Wintergarten gilt, wenn dieser als Wohnraum genutzt wird und entweder eine Genehmigung zum Bau des Wintergartens vorliegt oder die Errichtung genehmigungsfrei war.

Grundsätzlich wird jeder Antrag durch die FBB geprüft.

Maßnahmen umsetzen

Bis wann kann ich die Schallschutzmaßnahmen umsetzen lassen?

Die FBB empfiehlt allen Anwohnern, die Schallschutzmaßnahmen noch rechtzeitig vor der Inbetriebnahme umsetzen zu lassen. Erfahrungen aus der Zeit vor der 2012 geplanten Inbetriebnahme zeigen, dass seinerzeit viele Anwohner erst kurz vor der geplanten Eröffnung des BER die Schallschutzmaßnahmen umsetzen lassen wollten, die Baufirmen in der Kürze der Zeit jedoch nicht mehr tätig werden konnten.

Schalldämmlüfter und Lüftungskonzepte

Ich habe viel über den neuen Schalldämmlüfter und Lüftungskonzepte gehört. Wo liegen denn da die Unterschiede?

Im Schallschutzprogramm BER werden hinsichtlich der Lüftung zwei Dinge sichergestellt - zum einen die geeignete Belüftung in allen Schlafräumen, zum anderen der Feuchteschutz in der gesamten Wohneinheit.

Für die geeignete Belüftung in Schlafräumen setzt die FBB seit diesem Jahr neue Schalldämmlüfter ein, die über eine automatische Be- und Entlüftungsfunktion verfügen. Die Geräte versorgen die Schlafzimmer auch bei geschlossenem Fenster mit ausreichend frischer Luft und stellen durch den permanenten, automatischen Luftaustausch die notwendige Raumlufthygiene sicher. Sie erfüllen auch die Anforderungen des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg aus dem vergangenen Jahr, was durch den vom Gericht bestellten TÜV-Gutachter bestätigt wurde.

Darüber hinaus werden Lüftungskonzepte gemäß DIN 1946-6 erstellt, um den Feuchteschutz in der gesamten Wohneinheit zu gewährleisten. So wird sichergestellt, dass in den Gebäuden ein ausreichender Luftaustausch stattfindet und keine Feuchteschäden auftreten. Die Lüftungskonzepte können dazu führen, dass der Einbau sogenannter Zu- und Abluftelemente (z.B. schallgedämmte Außenwanddurchlässe) an den Gebäuden erforderlich ist.

Wärmerückgewinnung

Wie funktioniert die Wärmerückgewinnung in den neuen Schalldämmlüftern?

Bei den neuen Schalldämmlüftern wird die Luft, die aus dem warmen Raum nach außen geführt wird, durch im Gerät verbaute Keramikbausteine geleitet, die sich sehr schnell und effizient aufwärmen. Der Luftstrom schaltet sich dann um und führt die Luft von außen wiederrum durch die erwärmten Bausteine, wodurch sich die kalte Außenluft erwärmt bevor sie in den Raum strömt.

Nach Angaben des Herstellers ist die Wärmerückgewinnung derart effizient, dass bei 20°C Raumtemperatur und 0°C Außentemperatur, Frischluft mit 16°C in den Raum strömt.

Dokumente zur Antragstellung

Meine Baufirma hat einen Nachtrag zu den Schallschutzmaßnahmen in meiner ASE-B gestellt. Wie muss ich damit umgehen?

Nachträge sollten noch vor Baubeginn durch die Baufirma beim zuständigen Ingenieurbüro angezeigt werden. Das Ingenieurbüro und die FBB haben dann die Möglichkeit, den Nachtrag noch vor Beginn der Bauarbeiten zu prüfen und somit zu entscheiden, ob die Nachtragskosten durch die FBB übernommen werden können.

Eigentümer sollten sich von ihrer Baufirma unbedingt über Nachträge informieren lassen und nur Schallschutzmaßnahmen beauftragen, die in der ASE aufgeführt sind oder von der FBB in Nachträgen freigegeben wurden. Letztlich können nämlich nur diese Schallschutzmaßnahmen von der FBB erstattet werden.