Die letzten Tempelhof-Flieger: Eine Ära geht zu Ende

07.10.2008
Flughafen ist Wiege der Luftfahrt und Symbol für den Freiheitswillen der Berliner / Schließung ist wichtiger Schritt auf dem Weg zum BBI / Flugbetrieb endet am 30. Oktober 2008 / Cirrus nach Mannheim ist letzter Linienflug / Junkers Ju 52 und Rosinenbomber DC 3 heben kurz vor Mitternacht ab
Am 30. Oktober 2008 endet nach über 80 Jahren der Flugbetrieb auf dem Airport Tempelhof. Die letzte reguläre Linienmaschine, eine Dornier 328 der Cirrus Airlines, startet um 21.50 Uhr in Richtung Mannheim. Pilot der Maschine wird Lars Jacobs sein. Als letzte Flugzeuge werden die Junkers Ju-52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung und der „Rosinenbomber“ DC 3 des Air Service Berlin den Airport verlassen. Beide Maschinen werden kurz vor Mitternacht von Tempelhof abheben. Pilot der Ju 52 ist Georg Kohne. Die DC 3 wird von Steffen Wardin geflogen.

Die drei letzten Flüge sind die Höhepunkte der Abschlussveranstaltung anlässlich der Schließung des Flughafens Tempelhof, zu der die Berliner Flughäfen Vertreter von Airlines sowie aus Politik und Wirtschaft einladen. Die Haupthalle des Flughafens Tempelhof bleibt am letzten Flugtag für Besucher und Fluggastabholer geschlossen. Passagiere, die im Besitz eines gültigen Flugtickets für diesen Tag sind, haben wie gewohnt Zutritt zur Haupthalle.

Mit den letzten Flügen geht eine bedeutende Ära der deutschen Luftfahrtgeschichte zu Ende. Gleichzeitig machen die Berliner Flughäfen mit der Schließung des Airports einen großen Schritt bei der Realisierung des wichtigsten Zukunftsprojektes der deutschen Hauptstadtregion: der Konzentration des Luftverkehrs bis 2011 auf dem neuen Hauptstadt-Airport Berlin Brandenburg International BBI.

Blick zurück

Tempelhof gilt zu Recht als die Wiege der Luftfahrt. Der Name Tempelhof ist eng mit dem Beginn des Motorflugs verbunden. Am 04. September 1909 hob erstmals in Deutschland ein Motorflugzeug für einige Minuten vom Boden ab. Der Amerikaner Orville Wright leitete auf dem Tempelhofer Feld mit seinem Flugapparat das Zeitalter des Motorflugs in Deutschland ein. Die Flugtechnik entwickelte sich rasant weiter: Am 08. Oktober 1923 wurde Tempelhof der Status „Flughafen Berlin“ erteilt. Der Zentralflughafen Tempelhof entwickelte sich zum größten Drehkreuz Europas. Tempelhof wurde für die am 06. Januar 1926 in Berlin gegründete Deutsche Lufthansa AG zum Heimatflughafen. 1936 begann der Bau eines komplett neuen Flughafens mit gewaltigen Ausmaßen. Der Bau des größten Flughafengebäudes der Welt sollte dem Hang Hitlers zum Monumentalen ebenso gerecht werden wie einem erwarteten Aufkommen von 6 Millionen Passagieren. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde der zivile Luftverkehr immer mehr ausgedünnt. Nach einer kurzen Besetzung durch die sowjetische Armee übernahmen im Juli 1945 die Amerikaner den Flughafen.

Am 18. Mai 1946 begann mit einer Maschine der American Overseas wieder der zivile Luftverkehr. Am 24. Mai 1948 verhängte die Sowjetunion über West-Berlin eine totale Blockade. Während der Luftbrücke, die bis zum 12. Mai 1949 dauerte, wurden mit insgesamt 277.728 Flügen 2.326.205 Tonnen Versorgungsgüter transportiert. Tempelhof und die „Rosinenbomber“ wurden zum Symbol für den Freiheitswillen der Berliner.

Mit der deutschen Einheit am 03. Oktober 1990 wurde die Lufthoheit in Berlin den deutschen Behörden übergeben. Erstmals landeten wieder Flugzeuge der Lufthansa und anderer, nichtalliierter europäischer Staaten in Berlin. Auf dem Flughafen Tempelhof, der für den zivilen Verkehr geschlossen war, wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. Ab Mitte der neunziger Jahre verlagerte sich der Flugverkehr von Tempelhof immer mehr auf die beiden anderen Flughäfen Tegel und Schönefeld. Das hatte zur Folge, dass sich das Verkehrsaufkommen in Tempelhof von Jahr zu Jahr verringerte und Tempelhof so zu einem Verlustbringer mit einem jährlichen Defizit zwischen 10 und 15 Millionen Euro wurde.

Aus drei mach eins

Seit dem Konsensbeschluss vom Mai 1996 ist klar: Ziel der Luftverkehrspolitik der Länder Berlin und Brandenburg ist es, den gesamten Luftverkehr der Region auf einem Standort zu konzentrieren. Mit der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadt-Airports BBI am 30. Oktober 2011 in Schönefeld wird die historisch entstandene Zersplitterung des hauptstädtischen Luftverkehrs beendet. Die Schließung des Flughafens Tempelhof am 30. Oktober 2008 ist eine wichtige Wegmarke bei der Realisierung des BBI. Tegel, der zweite innerstädtische Flughafen, wird nach der Eröffnung des BBI geschlossen.

Die Genehmigung zum Bau des BBI fußt auf drei letztinstanzlichen Urteilen sowie dem Bescheid der Berliner Luftfahrtbehörde zur Entwidmung des Flughafens Tempelhof:

  • November 2005: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärt die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel für rechtens.
  • März 2006: Das Bundesverwaltungsgericht genehmigt den Ausbau des Flughafens Schönefeld zum Hauptstadt-Airport BBI. Unabdingbare Voraussetzung: Die Schließung der innerstädtischen Flughäfen Tegel und Tempelhof.
  • Februar 2007: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärt die Schließung des Flughafens Tempelhof für rechtens.
  • Juni 2007: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erlässt den Bescheid zur Entwidmung des Flughafens Tempelhof. Die Entwidmung ergibt sich zwingend aus dem Planfeststellungsbeschluss, der ausdrücklich die Konzentration des Luftverkehrs auf nur einen Single-Standort festschreibt.

Tempelhof-Schließung – die nächsten Schritte

Die Berliner Flughäfen werden am 30. Oktober 2008 die Schlüssel an den zukünftigen Verwalter des Flughafens, die BIM, Berliner Immobilienmanagement GmbH, übergeben. Eine 100-prozentige Tochter der Flughafengesellschaft, die Facility Management Tempelhof GmbH (FMT), wird sich im Rahmen einer Ausschreibung um die weitere Bewirtschaftung der Immobilie bewerben. In der FMT sind 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Weitere neun Feuerwehrleute der Flughafengesellschaft werden noch bis Ende 2008 auf der Feuerwehr-Leitstelle ihren Dienst verrichten. Mit der BIMA, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, ist vertraglich geregelt, dass die Flughafengesellschaft die Flughafenanlagen in dem Zustand übergeben wird, wie sie 1993 von den Alliierten übernommen wurden.

Die Fluggesellschaft Intersky wird letztmalig am 25. Oktober 2008 um 08.25 Uhr von Tempelhof nach Friedrichshafen fliegen. Am gleichen Tag startet SN Brussels um 18.55 Uhr nach Brüssel. Beide Fluggesellschaften werden ab 26. Oktober, mit Beginn des Winterflugplans 2008/09, ab Tegel ihre Dienste anbieten.

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