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Tollkühne Frauen in ihren fliegenden Kisten: Wie Flugpionierinnen den Himmel eroberten

08.03.2018
Melli Beese vor Flugzeug

Elly Beinhorn, Melli Beese und Marga von Etzdorf: In unmittelbarer Umgebung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg wurden drei Straßen nach ihnen benannt. Doch wer sind diese Frauen, denen auf diese Weise ein Denkmal gesetzt wurde? Sie haben, neben zahlreichen weiteren Fliegerinnen, Pionierarbeit in der Luftfahrt geleistet, als diese noch in den Kinderschuhen steckte. Die ersten Pilotinnen der Luftfahrtgeschichte waren nicht nur todesmutige Abenteurerinnen, sondern mussten sich als Frauen auch in einer Männerdomäne durchsetzen. Nicht selten haben sie ihre Leidenschaft für das Fliegen mit dem Leben bezahlt. Zum heutigen Internationalen Frauentag soll an sie und viele weitere Frauen, die die Lüfte eroberten, erinnert werden.

Flugzeugführerlizenz Nr. 115:
Deutschlands erste Pilotin

Pilotin Elly Beinhorn beim Arbeiten an ihrem Flugzeug am Kap Juby

Im Jahr 1910 titelte die Berliner Zeitung noch: „Das Fliegen erfordert die psychischen Kräfte eines Mannes“, doch bereits ein Jahr später sollte eine Fliegerin das Gegenteil beweisen: Melli Beese erwarb als erste Frau in Deutschland den Privatpilotenschein. Dafür musste sie einige Hindernisse überwinden: Die Männer, in deren Domäne die junge Frau mit ihrem Wunsch zu fliegen einbrach, legten ihr auf dem Weg zum Pilotenschein zahlreiche Steine in den Weg. Sie bauten ihr verrußte Zündkerzen in das Flugzeug oder ließen Benzin aus ihrem Tank. Doch Melli Beese ließ sich davon nicht beirren: Am 13. September 1911, ihrem 25. Geburtstag, nutzte sie die Gelegenheit, während ihre männlichen Mitstreiter auf auswärtigen Flugveranstaltungen waren. Sie organisierte sich externe Zeugen und absolvierte unbemerkt in den frühen Morgenstunden ihre Pilotenscheinprüfung. Der Schein trug die Nummer 115, damit war sie in Deutschland der 115. Mensch, der ein Flugzeug fliegen durfte. In Folge gewann sie zahlreiche Flugwettbewerbe, gründete 1912 eine Flugschule und entwickelte ein eigenes Flugzeug: die „Melli-Beese-Taube“. Ihr Leben endete trotz dieser Erfolge tragisch: Nachdem ihr im Ersten Weltkrieg ihre Fluglizenz entzogen worden war, konnte sie anschließend nicht mehr an ihre frühere Karriere anknüpfen und nahm sich 1925 in Berlin das Leben, neben sich einen Zettel auf dem stand: „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“

„Ich habe doch diese herrlichen, unabhängigen Zeiten erlebt, als man am Himmel ganz für sich alleine war!“
Elly Beinhorn

Fraulein Elli Beinhorn at the opening of the William Jolly Bridge in 1932

Nur wenige Jahre später eroberte die wohl berühmteste deutsche Flugpionierin die Lüfte: Nachdem sie 1928 einen Vortrag des Fliegers Hermann Köhl besucht hatte, entschloss sich die nur 21jährige Elly Beinhorn, den Pilotenschein zu machen. Nur wenige Jahre später startete sie im Dezember 1931 zu ihrem wohl größten Abenteuer: Sie wurde die erste Frau, die im Alleinflug die Welt umrundete. Nach ihrer Rückkehr im Juli 1932 wurde sie frenetisch gefeiert und war ab sofort ein Star. Ihre Heirat mit dem Rennfahrer Bernd Rosemeyer 1936 steigerte ihre Popularität noch. Sie stellte zahlreiche weitere Rekorde auf wie zum Beispiel das Überfliegen dreier Kontinente innerhalb von 24 Stunden im Jahr 1935. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie noch lange Jahre als Kunstfliegerin erfolgreich. Erst 72jährig beendete Elly Beinhorn ihre Fliegerkarriere: „Da war es Zeit. Aber bis dahin bin ich 51 Jahre lang mit Anstand geflogen, ohne Probleme." Die Flugpionierin starb am 28. November 2007 im Alter von 100 Jahren in der Nähe von München.

Erste Co-Pilotin bei der Lufthansa

Zur gleichen Zeit behauptete eine weitere deutsche Fliegerin ihren Platz in der Luftfahrt: Marga von Etzdorf wurde 1928 mit zwanzig Jahren als erste Frau Co-Pilotin bei der Lufthansa und startete nur wenige Zeit später zahlreiche Alleinflüge in ihrer eigenen Maschine, einer Junkers A50 Junior, die sie knallgelb spritzen ließ und der sie den Namen „Kiek in die Welt“ gab. Mit ihr flog sie 1931 als erste Frau von Deutschland nach Japan. Auf dem Rückflug stürzte sie nahe Bangkok aus 80 Metern ab, überlebte selbst schwer verletzt, die „Kiek in die Welt“ jedoch war nicht mehr zu retten. Nach monatelangem Krankenhausaufenthalt in der Hauptstadt von Siam flog sie schließlich im Juli 1932 in einem Verkehrsflugzeug nach Deutschland zurück. Bei ihrer Rückkehr wurde sie auch von Fliegerkollegin Elly Beinhorn in Empfang genommen. Im Folgejahr startete sie in einem Leichtflugzeug, einer Klemm Kl 32, zu einem Australienflug. Doch bereits am Folgetag wurde das Flugzeug beim Landeanflug in Aleppo/Syrien schwer beschädigt. Noch am Flugplatz nahm sich Marga von Etzdorf das Leben. Auf ihrem Grabstein auf dem Berliner Invalidenfriedhof ist die Inschrift zu lesen: „Der Flug ist das Leben wert“.

Von der Flug- zur Erotikpionierin, die weltweit erste Flugkapitänin und ein „Flying Fräulein“: Weitere deutsche Flugpionierinnen

Beate Uhse, geb. Köstlin vor einem Bücker Bü 131 Doppeldecker

Neben den drei Fliegerinnen, denen am künftigen Hauptstadtflughafen Straßen gewidmet wurden, haben auch zahlreiche weitere Frauen den Himmel erobert: Zu internationaler Berühmtheit gelangte beispielsweise Thea Rasche. Sie war die erste deutsche Kunstfliegerin, nahm ab Mitte der 1920er Jahren an Flugshows teil und gewann zahlreiche Auszeichnungen. Auf Einladung amerikanischer Journalisten flog sie 1927 nach New York und vollführte beim Landeanflug Kunstflugstücke über und um die Freiheitsstatue herum. Daraufhin wurde sie unter dem Spitznamen „The Flying Fräulein“ berühmt.


Ihr Name wird in erster Linie mit Pionierarbeit auf anderem Gebiet in Verbindung gebracht: Beate Uhse war, bevor sie als erfolgreiche Erotik-Unternehmerin berühmt wurde, Deutschlands erste Stunt-Fliegerin. Im Jahr 1937, pünktlich zu ihrem 18. Geburtstag, erwarb sie ihre Fluglizenz. Nur wenig später absolvierte sie auch ihren Kunstflugschein und wurde schließlich als Stunt-Fliegerin angeheuert, da sie klein genug war, um sich im vorderen Sitz zu verstecken und die Maschine zu steuern. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs war Beate Uhse als Überführungsfliegerin tätig, nach Kriegsende gab sie ihre professionelle Fliegerkarriere auf, blieb der Fliegerei aber auch danach treu.


Eine der bekanntesten, aber zugleich umstrittensten deutschen Fliegerinnen jener Zeit ist Hanna Reitsch. Sie ging in die Geschichte ein als weltweit erste Flugkapitänin und stellte in den 1930er Jahren zahlreiche Flugrekorde auf. 1937 wurde sie in die Luftwaffe einberufen und war bis Ende des Zweiten Weltkriegs als Testpilotin tätig. Auch nach dem Krieg gab Hanna Reitsch das Fliegen nicht auf: Ab 1954 war sie erneut als Testpilotin tätig und brachte die Segelfliegerei nach Indien und Ghana. Ihre Verdienste für die Luftfahrt werden von der Tatsache überschattet, dass sie sich bis zu ihrem Tod 1979 nie deutlich von den Nationalsozialisten distanzierte.

Töchter des Himmels:
Flugpionierinnen in aller Welt

Amelia Earhart im Flugzeug, 1936

Auch international machten fliegende Frauen von sich reden. So war beispielsweise Harriet Quimby die erste bedeutende US-Pilotin und flog als erste Frau im Jahr 1912 über den Ärmelkanal. Oder die Französin Maryse Bastié, die als erste Frau in Frankreich den Passagierflugschein erwarb in den 1920er Jahren acht Weltrekorde im Fliegen aufstellte. Eine weitere bedeutende Flugpionierin ist die Britin Amy Johnson, die 1930 als erste Frau einen Alleinflug von England nach Australien durchführte.

Als weltweit berühmteste und legendärste Flugpionierin gilt die Amerikanerin Amelia Earhart: Sie überquerte im Jahr 1932 als erste Frau im Alleinflug den Atlantik. Als „Tochter des Himmels“ wurde sie daraufhin weltberühmt. Wenige Jahre später startete sie zu einem weiteren großen Abenteuer, als erster Mensch wollte sie die Erde am Äquator umrunden. Nachdem sie innerhalb eines Monats bereits drei Viertel der Strecke zurückgelegt hatte, landete sie am 29. Juni 1937 zu einem Zwischenstopp in Neuguinea. Auf dem Weiterflug brach der Funkkontakt zu ihrer Maschine ab, und die US-Regierung leitete die bis dahin größte Suchaktion in der Geschichte der Luftfahrt ein. 64 Flugzeuge und acht Kriegsschiffe suchten mehr als 400.000 km² Meer ab. Doch sowohl das Flugzeug als auch Amelia Earhart und ihr Navigator blieben verschollen. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Spekulationen um Earharts Verschwinden.

Der harte Weg zur Gleichberechtigung:
Are you a Madam, Sir?

Amelia Earhart, die sich nicht nur um die Luftfahrt verdient gemacht hat, sondern sich auch vehement für die Gleichstellung von Frauen einsetzte, sagte einst: „Ich möchte Ihnen zu bedenken geben, dass ich mir über die Gefahren [des Fliegens] ziemlich im Klaren bin. Ich will es tun, weil ich es tun will. Frauen müssen Dinge genauso versuchen, wie Männer es getan haben. Wenn sie versagen, darf ihr Versagen nichts anderes sein als eine Herausforderung für andere.“
Trotz der Pionierarbeit Amelia Earharts und ihrer Fliegerkolleginnen ist auch noch heute eine weibliche Pilotin keineswegs selbstverständlich. Der Anteil weiblicher Pilotinnen beträgt weltweit unter 6%. Zahlreiche Initiativen seitens der Airlines oder Organisationen wie „Women in Aviation“ bemühen sich mittlerweile jedoch um Nachwuchsförderung von Frauen in der Luftfahrt. Damit dürften solche Begebenheiten vielleicht irgendwann Geschichte sein wie das Zitat eines Controllers, der erst vor wenigen Jahren die Lufthansa-Pilotin Evi Hetzmannseder via Funk fragte: „Are you a Madam, Sir?“

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