Kerosin ablassen

Kaum ein Gerücht hält sich im Zusammenhang mit dem Luftverkehr so hartnäckig wie das des häufigen oder gar regulären Kerosinablassens vor der Landung. Das Missverständnis hat seine Ursache möglicherweise in sichtbaren Verwirbelungen, die vor allem bei feuchtem Wetter hinter den Tragflächen zu sehen sind. Sie bestehen aus Kondenswasser und enthalten kein Kerosin. Zweifellos bekäme jeder Pilot, der ohne Not teuren Treibstoff verschwendet, zu Recht Ärger mit seiner Fluggesellschaft.

Warum kann das Ablassen von Kerosin im Notfall notwendig werden?

Muss ein voll getanktes Langstrecken-Flugzeug kurz nach dem Start wegen eines Notfalls oder einer technischen Störung landen, so ist es tatsächlich notwendig, Kerosin in großer Höhe dosiert abzulassen. Dabei handelt es sich um einen absoluten Ausnahmefall, der zuvor von der Deutschen Flugsicherung genehmigt werden muss.

Das Ablassen von Kerosin ist nur Langstreckenflugzeugen möglich, die über eine entsprechende technische Vorrichtung verfügen. Dabei weist die Flugsicherung der betroffenen Maschine - in der Regel über nicht oder dünn besiedeltem Gebiet - einen Luftraum zu, in dem Kerosin freigesetzt werden darf. In der Regel erfolgt der Treibstoffablass in einer Höhe zwischen vier und acht Kilometern bei einer Fluggeschwindigkeit von mindestens 500 km/h. Das Kerosin wird dabei zu einem feinen Nebel verwirbelt, dessen Tröpfchen zum weitaus größten Teil verdampfen und durch die Strahlungsenergie der Sonne in Wasser und Kohlendioxid umgewandelt werden. Eine Schadstoffbelastung am Boden ist nicht nachweisbar.

Die Deutsche Flugsicherung registriert jährlich rund 40 Vorkommnisse, in denen das Ablassen von Kerosin zugelassen wird.