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Alle 90 Sekunden ein Hilfsflug: 70 Jahre Berliner Luftbrücke

09.05.2019

Im Mai jährt sich das Ende der Berliner Luftbrücke zum 70. Mal. Bis heute gilt die Versorgung aus der Luft während der Blockade Berlins als eine der weltweit größten humanitären Hilfsaktionen. Zwischen Juni 1948 und Mai 1949 wurden 2,2 Millionen Menschen ausschließlich aus der Luft versorgt. Wie konnte diese geradezu wahnwitzige Logistik gelingen?

Berliner Blockade: Der erste Höhepunkt des Kalten Krieges

Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die Fronten zwischen den westlichen Besatzungsmächten und der Sowjetunion verhärtet. Die gegensätzlichen ideologischen und politischen Vorstellungen, wie es mit Deutschland und dem von allen vier Siegermächten besetzten Berlin weitergehen sollte, spitzten sich im Frühjahr 1948 zum ersten Höhepunkt des Kalten Krieges zu. Mit dem Beschluss der Währungsreform durch die Westalliierten im Juni 1948 eskalierte die Situation endgültig: Nach einer Warnung durch die sowjetische Militäradministration ließ diese am Abend des 23. Juni verlautbaren, dass sie die Transportwege nach West-Berlin gesperrt hatten. Der Vorschlag des US-Militär-Gouverneurs Lucius Clay, die Blockade mit Gewalt zu durchbrechen, wurde vom amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman abgelehnt. Zu groß schien die Gefahr eines neuen Kriegsausbruchs. Da der Luftkorridor im Gegensatz zu den Land- und Wasserwegen vertraglich zugesichert war, befahl Clay kurzerhand die Errichtung eines Luftkorridors zur Versorgung der Bevölkerung.

Operation Vittles tritt in Aktion

Nachdem West-Berlin von allen Versorgungswegen zu Land und zu Wasser abgeschnitten war, hieß es vor allem schnell zu handeln: Die Lebensmittelvorräte in der Stadt würden nur noch für 36, die Kohle für 45 Tage ausreichen. Kurzfristig wurden alle verfügbaren Transportgeschwader nach Deutschland beordert, und am 26. Juni landeten die ersten Maschinen der „Operation Vittles“, so der offizielle Codename, auf dem Flughafen Tempelhof. Neben der Versorgung der Bevölkerung war die Luftbrücke vor allem auch das deutliche Signal an die Sowjetunion: Die Westalliierten würden Berlin nicht so einfach aufgeben.

Der Kopf der Luftbrücke: William H. Tunner

4000 Tonnen Nahrung und Brennmittel mussten täglich aus der Luft nach West-Berlin transportiert werden, um die Stadt mit dem Notwendigsten zu versorgen. Für eine solch komplexe Logistik bedurfte es eines genialen Strategen, und dieser wurde in General William H. Tunner gefunden, der 1942 bereits die erste strategische Luftbrücke, die „Hump-Luftbrücke“ über den Himalaya befehligt hatte. Er machte aus der anfangs wackligen Hilfskonstruktion die perfekte Versorgungsmaschinerie, als die die Berliner Luftbrücke in die Geschichte einging. Die Transportflugzeuge starteten von verschiedenen Flughäfen in den westlichen Besatzungsgebieten, ihr Weg nach Berlin führte über drei Luftkorridore, aus Richtung Hamburg, Hannover und Frankfurt. Tunner ordnete die Flugzeuge auf diesen drei Korridoren auf fünf verschiedenen Flughöhen an. Der nördliche und südliche Luftkorridor wurden dabei für Hinflüge, der mittlere für Rückflüge genutzt. Weiterhin führte er einen 24-Stunden-Betrieb ein und ordnete einen Drei-Minuten-Takt in den drei Luftkorridoren an. Bei Landeschwierigkeiten mussten die Piloten beladen zurückfliegen, um den Takt der Starts und Landungen nicht aufzuhalten. Die Luftbrücke sollte funktionieren wie ein Fließband, Lücken waren nicht vorgesehen. Die Piloten waren angehalten, den Flugplänen strikt Folge zu leisten. Tunner bezeichnete diesen Ablauf als „Buschtrommel“, die immer den Takt halten muss.

Flughafen Tempelhof: Symbol der Freiheit

Die Berliner Luftbrücke lief dank Tunners Planung schon nach kurzer Zeit wie geölt. Bis heute gilt diese perfekt durchgetaktete Versorgungsmaschinerie als logistische Meisterleistung und als beispiellose Rettungsaktion. In Berlin landeten die Maschinen auf dem Flughafen Tempelhof, in Gatow und ab Dezember 1948 auch in Tegel – und auf der Havel. In der Nähe des Strandbades Wannsee wasserten britische „Sunderland“-Flugboote. Bis heute ist jedoch vor allem der Flughafen Tempelhof eng mit der Berliner Luftbrücke verbunden. Er avancierte während der Berliner Blockade zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Bis 12. Mai 1949 lief die Versorgung West-Berlins aus der Luft, an diesem Tag wurde die Berliner Blockade nach monatelangen Verhandlungen mit der Sowjetunion aufgehoben. Auf dem Flughafen Tempelhof findet auch die Jubiläumsfeier zum 70. Jahrestag des Endes der Luftbrücke statt: Am 12. Mai wird in den Hangars und auf dem Vorfeld das „Fest der Luftbrücke“ gefeiert.

Wussten Sie das?

  • Es wurden nicht nur Waren nach Berlin transportiert, sondern auch rund 82 Tonnen Fracht ausgeflogen: meist in der Stadt hergestellte Produkte, die den Aufdruck „Hergestellt im Blockierten Berlin“ trugen
  • Rund 300 Flugzeuge waren zu Hochzeiten der Luftversorgung permanent im Einsatz, alle 90 Sekunden startete und landete eine Maschine
  • Insgesamt wurden mit der Luftbrücke 2,1 Millionen Tonnen Fracht nach Berlin gebracht, zum Vergleich: 2018 wurden in Berlin insgesamt 40.200 Tonnen Luftfracht umgeschlagen
  • Während der Luftbrücke wurden 277.728 Flüge gezählt
  • Zum Namen „Rosinenbomber“ kam es, als Piloten damit anfingen, in mit Taschentüchern selbst gebastelten Fallschirmchen Süßigkeiten für Kinder abzuwerfen. So wurden aus den Transportflugzeugen zunächst die „Candy Bomber“ (Süßigkeiten-Bomber), und nachdem ein britischer Pilot in der Vorweihnachtszeit 1948 eine Ladung Rosinen für die Weihnachtsbäckerei nach West-Berlin geflogen hatte, hießen sie „Rosinenbomber“
  • Offiziell wurde die Luftbrücke erst am 30. September 1949 für beendet erklärt – zu diesem Zeitpunkt waren Lagervorräte für etwa zwei Monate in der Stadt, und die Lage der Transportwege war wieder wie vor Beginn der Blockade
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