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30 Jahre Mauerfall – Der geteilte Himmel über Berlin

08.11.2019

Vor dem Fall der Mauer vor 30 Jahren war der Luftverkehr in Berlin ebenso wie die Stadt selbst geteilt: Auf der einen Seite die „Insel“ Westberlin mit den beiden Flughäfen Tegel und Tempelhof und den alliierten Fluggesellschaften, auf der Ostseite der Flughafen Schönefeld, von dem die staatliche Interflug operierte. Wie war es, vor der Grenzöffnung von und in die geteilte Stadt zu fliegen?

Tegel und Tempelhof als Tor zur westlichen Welt

Im Westteil der Stadt wurde der Flugverkehr über die beiden Flughäfen Tempelhof und Tegel abgewickelt. Tempelhof war ab 1951 von den amerikanischen Alliierten für den zivilen Luftverkehr freigegeben worden. Der Flughafen wurde sehr schnell rege genutzt, war er doch die einzige Möglichkeit, ohne die häufig langwierigen Kontrollen durch die DDR von Westberlin nach Westdeutschland zu kommen. Innerhalb kurzer Zeit avancierte Tempelhof zu einem der meistfrequentierten Flughäfen Europas, gleich hinter London und Paris. Nach dem Bau der Mauer im August 1961 beschloss der Westberliner Senat, den bisherigen „Feldflughafen“ Tegel entsprechend den Bedürfnissen der verstärkt eingesetzten Düsenflugzeuge weiter auszubauen. So waren u.a. deutlich längere Start- und Landebahnen notwendig als am Flughafen Tempelhof vorhanden. Tegel nahm ab 1964 den regelmäßigen zivilen Flugbetrieb auf, im Jahr 1968 zogen alle Charterfluggesellschaften von Tempelhof nach Tegel. Nachdem 1974 das neue sechseckige Hauptterminal in Tegel eröffnet wurde, schloss der Flughafen Tempelhof im Folgejahr erstmals komplett für den Flugbetrieb. Die Kapazitäten genügten den Anforderungen des modernen Luftverkehrs nicht mehr. Ab 1981 wurde er für Geschäftsverkehr und kleinere Maschinen wieder genutzt.

Keine Landeerlaubnis für den Kranich

Deutsche Fluggesellschaften durften aufgrund des Sonderstatus Westberlins keinen der dortigen Flughäfen anfliegen – so hatten es die Siegermächte 1945 festgelegt. Der Flugverkehr wurde von alliierten Fluggesellschaften wie Pan Am, TWA, British Airways oder Air France durchgeführt, sie durften die sowjetische Besatzungszone auf drei eigens eingerichteten Luftkorridoren überfliegen. Zunächst musste auch die komplette Flugzeugbesatzung ausschließlich aus Bürgern der jeweiligen Länder bestehen, ab Mitte der 1960er Jahre durften die Fluggesellschaften zumindest Flugbegleiter mit einheimischem Personal besetzen.

Schönefeld: Der Flughafen für Ost UND West

Der zivile Flugbetrieb am Flughafen Schönefeld war 1955 aufgenommen worden. Der Flughafen außerhalb der Stadtgrenzen Berlins durfte, anders als Tegel und Tempelhof, auch von nicht alliierten Fluggesellschaften angeflogen werden. Hauptsächlich wurde der Flughafen von der 1958 gegründeten staatlichen Fluggesellschaft Interflug genutzt, die von Schönefeld aus ein globales Streckennetz aufbaute, mit Zielen in anderen europäischen sozialistischen Ländern, aber auch in Westeuropa, Nahen Osten, Afrika und Asien. Für den Großteil der Ostdeutschen blieben Reisen zu Zielen außerhalb der sozialistischen Bruderstaaten jedoch meist ein Traum. Der Flughafen Schönefeld war aber nicht nur für DDR-Bürger interessant, sondern auch für viele West-Berliner. Von hier wurden viele Ziele angeflogen, die ab Tegel oder Tempelhof nicht direkt erreichbar waren, z.B. Budapest oder Prag. Zudem lockte die Interflug die Westberliner mit Dumpingpreisen an, viele Ziele waren via Schönefeld deutlich kostengünstiger zu erreichen als ab Tegel. Dies führte sogar dazu, dass ab 1963 eine Busverbindung von Charlottenburg zum Flughafen Schönefeld eingerichtet wurde. 

Endlich: Grenzenloser Flugverkehr

Gleich nach dem Mauerfall am 9. November 1989 forderten deutsche Airlines, allen voran die Lufthansa, Tegel und Schönefeld anfliegen zu dürfen. Bereits vor der Wiedervereinigung kam es zu einem historischen Ereignis: Am 5. August 1990 landete eine Boeing 747 der Lufthansa auf einem Berliner Flughafen – und zwar in Schönefeld. Die Maschine flog Kinder aus der Region Tschernobyl, die ihre Ferien in der DDR verbracht hatten, zurück nach Hause. Knapp zwei Monate später gab es dann eine weitere historische Landung: Am 2. Oktober setzte erstmals eine Lufthansa-Maschine auf dem Boden des Flughafens Tegel auf. Auch die beiden großen deutsch-deutschen Airlines wollten Grenzen überwinden, kurz nach dem Mauerfall begannen die Lufthansa und die Interflug Gespräche über eine Zusammenarbeit. Eine langfristig anvisierte Fusion scheiterte jedoch am Widerstand der Kartellbehörden. Die stark verschuldete DDR-Fluglinie wurde schließlich kurz nach der Wende im Jahr 1991 aufgelöst.
Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden dann endlich alle Restriktionen im Berliner Luftverkehr aufgehoben. Deutsche Fluggesellschaften konnten ab sofort unbegrenzt in die neu ernannte Hauptstadt fliegen.

Wussten Sie schon?

...dem Flughafen Tempelhof wurde in Billy Wilders Komödie „Eins, zwei, drei“ im Jahr 1961 ein Denkmal gesetzt, die Dreharbeiten in Berlin wurden vom Mauerbau überrascht. Die Szenen auf dem Rollfeld mit den Schauspielern entstanden allerdings im Studio.


...von 1970 bis 1974 war Gail Halvorsen, der durch die Berliner Luftbrücke bekannt gewordene „Candy-Pilot“, Kommandant des Flughafens Tempelhof.


...die staatliche DDR-Fluggesellschaft Interflug ging aus der 1955 gegründeten „Deutschen Lufthansa der DDR“ hervor. Diese musste nach einem Namensstreit mit der westdeutschen Lufthansa liquidiert werden und wurde dann in der zuvor gegründeten Interflug weitergeführt.


...die polnische Fluggesellschaft LOT durfte als einzige nicht-alliierte Fluglinie die drei Luftkorridore Richtung Westen nutzen, so konnte sie auf kürzestem Weg nach und über Deutschland fliegen. LOT bot direkte Flugverbindungen ab Schönefeld an, u.a. nach Brüssel und Amsterdam.


...um das Risiko der Republikflucht des Interflug-Flugpersonals zu minimieren, wurden die Piloten in unterschiedliche Zuverlässigkeits-Kategorien eingeteilt und auf entsprechenden Strecken eingesetzt. Und waren zwei Ehepartner für die Interflug tätig, durften nicht beide auf demselben Flug Richtung Westen eingesetzt werden.


...erste Annäherungsversuche im Flugverkehr zwischen Ost und West gab es bereits vor dem Fall der Mauer: Am 10. August 1989 landete eine Lufthansa-Maschine aus Frankfurt am Main in Leipzig. Dabei musste sie allerdings einen Umweg über die Tschechoslowakei fliegen, da sie die deutsch-deutsche Grenze nicht passieren durfte.

30 Jahre Mauerfall – Der geteilte Himmel über Berlin

  • Flugzeugabfertigung in Tempelhof
  • Haupthalle 1963
  • Empfangshalle Schönefeld
  • Flughafen Schönefeld
  • Flaggen am Flughafen Schönefeld
  • Boulevard Tegel
  • Pan Am in Tegel
  • Interflug
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